Das Universum der Walk Acts

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Umgangssprachlich gesehen sind Walk Acts „Mobile Schauspieler*innen & Darsteller*innen", die auf Events, Messen und Festivals für Entertainment oder Markenbildung sorgen. Grundlegend kann man sagen, die Funktion der Unterhaltung steht bei allen Walk Acts im Mittelpunkt. Die Darstellungsform, das Ausdrucksmittel und die Kostümierung können dabei sehr variieren. Walk Acts sind keine Bühnenshows, sondern sie transportieren lediglich das Gefühl einer „großen" unsichtbaren Bühne, die überall sein kann.

Es gibt visuelle Walk Acts wie beispielsweise Stelzenläufer*innen, Maskottchen oder fahrende Konstruktionen. Das Kostüm steht hier im absoluten Fokus der Inszenierung. Visuell heißt nicht gleich nonverbal, sondern ganz einfach auffälliger und dementsprechend effektiver. Perfekte Spielorte sind hier große Einkaufspassagen, Promenaden, Stadtfeste oder Festivals. Spielfläche und Sichtbarkeit spielen hier eine entscheidende Rolle. Der Act kann so von vielen Leuten gleichzeitig wahrgenommen werden.

Eine weitere Sparte sind interaktive Walk Acts wie beispielsweise Pantomim*innen, Schauspieler*innen, lebende Statuen, Parodist*innen oder Zauberer*innen. Hier steht die Interaktion und das Erlebnis im absoluten Fokus. Das Publikum wird Teil der Inszenierung. Empathie, Humor, Schauspiel und Fingerfertigkeit sind hier wichtige Werkzeuge. Gerechtfertigt motivierte Interaktionen, schauspielerische Geschichten oder Close-Up-Zauberei kommen hier zum Einsatz. Ein großer Unterschied zu rein visuellen Walks ist die Flexibilität im Umgang mit dem Raum. Perfekte Spielorte sind hier Firmenfeiern, Galas, Hochzeiten, Bars, Messen oder Tagungen. Einzelpersonen und kleine Grüppchen können auch in großen Menschenansammlungen angespielt werden. Natürlich kann es auch zu Überschneidungen von Make-up und Kostümierung wie bei visuellen Walk Acts kommen.

Damit hätten wir eine kleine theoretische Definition zum Thema „Walk Acts" beschrieben. Aber gehen wir noch etwas tiefer in die fundamentalen Bestandteile dieser Kunstform. Was zeichnet einen guten Walk Act aus und welche Fehler sollte man vermeiden?

Ich selbst würde mich als einen Hybriden aus visuellem und interaktivem Walk Act bezeichnen. Meine persönliche, über die Jahre erworbene Definition eines guten Walk Acts setzt sich aus 6 Punkten zusammen:

1. Charakter-Definition „Die Figur"

Wer bin ich? Es ist von entscheidender Rolle, sich schnell und visuell bei seinem Publikum zu etablieren. Das kann durch ein Kostüm, ein Namensschild oder die persönliche Ansprache passieren.

2. Präsenz „Du"

Du bist immer da und sichtbar, sei dir dessen bewusst! Der Ort ist deine „Bühne". Soll heißen, du kannst auch von weiter Entfernung auf dein Publikum wirken. Je nach Rolle und Charakter kann man sich kleine Handlungen überlegen, die entweder durch ihren Rhythmus oder ihre Kontinuität auffallen.

3. Aufmerksamkeit „Der Kamera-Blick"

Als Walk Act ist es wichtig, Herr seiner Sinne zu sein. Jederzeit öffnen sich neue Möglichkeiten, mit dem Publikum in Interaktion zu treten. Wachheit ist hier von entscheidender Rolle! Alle Dinge, die passieren können, sind Geschenke, die du annehmen darfst.

4. Respektvoller Umgang und Empathie

Nicht alle Menschen wollen in Spiele verwickelt werden. Essenziell ist, die Signale meiner Umwelt richtig zu lesen. Sich dessen bewusst zu sein, nimmt mir auch die Spannung, alle Leute gleichzeitig unterhalten zu müssen.

5. Deine Routine „Die Performance"

Stell dir vor, du hast alle vorherigen Punkte mit Bravour gemeistert. Jetzt kommt der Teil, wo deine Performance bzw. deine Routine in voller Schönheit in Aktion tritt. Wir gehen davon aus, eine kleine Gruppe von Leuten möchte von dir unterhalten werden. Die goldene Regel ist: In der Kürze liegt die Würze. Ob pantomimische Interaktionen, Geschichten, ein Wort-Intermezzo oder 1–2 Close-Up-Tricks – the stage is yours.

6. Der Schluss „Pointe"

Klarheit zeichnet den wirklichen Meister seines Fachs aus, deswegen sollte auch klar verständlich sein an dieser Stelle, dass deine Interaktion oder deine Routine zu Ende ist. Wie ein kleiner Vorhang, der sich schließt. Eine kleine Visitenkarte zu platzieren, ist jetzt ein perfekter Zeitpunkt. Natürlich ist es nicht verboten, an einer weiteren Stelle des Events wieder an den gleichen Tisch zurückzukommen und ein weiteres Highlight auszupacken.

Fazit

Um diesen kleinen Artikel zu beenden, kann man wohl zusammenfassend sagen, dass sich Spielfreude, Spontaneität, Wachheit und feste Routinen in einem Einklang befinden. In erster Linie sollte euch eure Arbeit als Jongleur*innen, Zauberer*innen, Schauspieler*innen, Pantomim*innen, Bauchredner*innen, Stelzenläufer*innen oder Parodist*innen glücklich machen. So bleibt es frisch und wird zu einem Geschenk für euer Publikum. Genau das macht am Ende den Unterschied zwischen Fließband und Handarbeit.